Schlagfertigkeit in Verhandlungen: intelligent und selbstbewusst die eigene Frau stehen

Schlag­fer­tig­keit in Ver­hand­lun­gen: Der 8. März steht vor der Tür. Es ist ein beson­de­res Datum, denn am 8. März wird der Inter­na­tio­na­le Frau­en­tag gefei­ert. Ab mor­gen läuft der neue Kino­film „Die Beru­fung“ in allen Kinos und ein Zei­tungs­ar­ti­kel, der den Namen „Die Frau im Fokus“ trägt, erin­ner­te mich auch dar­an. Wahr­schein­lich sprang mir die Wer­bung zum Kino­film sowie der Zei­tungs­ar­ti­kel auch des­we­gen so ins Auge, weil ich – pas­sen­der­wei­se – am 09. März ein Semi­nar zum The­ma „Schlag­fer­tig­keit für Frau­en“ hal­te. In Vor­be­rei­tung auf das Semi­nar las ich neben dem Zei­tungs­ar­ti­kel auch gezielt in Foren in denen sich Frau­en dar­über aus­tau­schen, was sie bewegt. Ich war nicht erstaunt, dass ein beherr­schen­des The­ma der Gehalts­un­ter­schied zwi­schen Män­nern und Frau­en ist. Die­ser liegt aktu­ell wei­ter­hin bei 21%.

Ich möch­te mich in die­sem Blog­bei­trag nicht auf die (Gehalts)-verhandlung an sich kon­zen­trie­ren. Hier soll es viel mehr um das WARUM gehen. War­um ver­stum­men wir, wenn uns der oder die Vor­ge­setz­te in der Gehalts­ver­hand­lung kri­tisch anguckt? War­um ste­hen wir nicht für uns ein und reagie­ren auf uner­war­te­te Fra­gen und geschick­te Angrif­fe intel­li­gent, selbst­be­wusst und sou­ve­rän? Und noch viel wich­ti­ger: Wie kön­nen wir es ändern?

Was ist eigentlich für eine Fertigkeit?

Schlag­fer­tig­keit ist die Fer­tig­keit im ent­schei­den­den Moment, einer unan­ge­neh­men Situa­ti­on oder einer Stress­si­tua­ti­on spon­tan und wen­dig zu reagie­ren. Um in der Meta­pher der Schlag­fer­tig­keit zu blei­ben: es ist die Fer­tig­keit sich gegen Schlä­ge zu weh­ren, in dem man bei­spiels­wei­se selbst zum Schlag aus­holt oder geschickt aus­weicht.

Schlagfertigkeit und der Einfluss der weiblichen Stereotype

Das Talent der weib­li­chen Schlag­fer­tig­keit liegt vor allem in der sprach­li­chen Intel­li­genz. Laut der Stu­die von Alfer­mann und Hyde aus dem Jahr 2005 ver­fü­gen Frau­en vor allem über eine her­aus­ra­gen­de sprach­li­che Intel­li­genz. Frau­en kön­nen sich in einer ent­spann­ten Atmo­sphä­re über die unter­schied­lichs­ten The­men unter­hal­ten und vie­le Ver­knüp­fun­gen auf­bau­en ohne sich groß­ar­tig anzu­stren­gen.

Dank Ihrer sprach­li­chen und emo­tio­na­len Intel­li­genz mana­gen sie ihr Fami­li­en­le­ben, sind wun­der­ba­re und moti­vie­ren­de Füh­rungs­kräf­te und vor allem in sozi­al­wirt­schaft­li­chen Berei­chen ganz vor­ne dabei. (Laut dem oben genann­ten Film, auch groß­ar­ti­ge Juris­tin­nen.) Bei Ver­hand­lun­gen, allen vor­an Gehalts­ver­hand­lun­gen kann es sein, dass sie ver­stum­men. War­um? Weil Ihnen oft Argu­men­te nicht ein­fal­len, die ihre Leis­tung und Enga­ge­ment her­vor­he­ben. Bei dem Gedan­ken, dass sie für sich Eigen­wer­bung machen müs­sen, gera­ten sie in einen psy­cho­lo­gi­schen Nebel, auch Denk­blo­cka­de genannt.

Schlagfertigkeit und die Denkblockade

In dem Moment, in dem Frau­en für sich selbst die Wer­be­trom­mel rüh­ren müs­sen, Eigen­lob aus­spre­chen, setzt bei ihnen statt der Schlag­fer­tig­keit eine Denk­blo­cka­de ein. Die Denk­blo­cka­de wird durch min­des­tens einen unbe­wuss­ten Glau­bens­satz aus­ge­löst. Meis­tens lau­tet der weib­li­che Glau­bens­satz „Eigen­lob stinkt“. Und die­se inne­re Ein­stel­lung hin­dert die Frau dar­an berech­tig­te Argu­men­te für Ihre Leis­tun­gen zu fin­den. Dar­über hin­aus kann es sein, dass der Ver­hand­lungs­part­ner einen wei­te­ren inne­ren Glau­bens­satz, wie­der­um unbe­wusst, akti­viert, wel­cher in der Frau auch noch ein schlech­tes Gewis­sen aus­löst. Für die­sen Moment ist es für die Frau mit der Schlag­fer­tig­keit vor­erst vor­bei. Erst Stun­den, manch­mal Tage spä­ter, fällt der Frau eini­ges an tol­len Argu­men­ten ein, die intel­li­gen­ter, sou­ve­rä­ner und selbst­be­wuss­ter nicht hät­ten sei­en kön­nen.

Schlagfertigkeit und Gehirnfunktion

Was hat Schlag­fer­tig­keit mit unse­rer Gehirn­funk­ti­on zu tun? War­um ent­steht in Stress­si­tua­tio­nen eine Denk­blo­cka­de? War­um gera­ten wir in einen psy­cho­lo­gi­schen Nebel?

Unser Gehirn unter­teilt sich grob in 3 Gehir­n­e­be­rei­che: (Sie­he dazu auch mein YouTube-​Video)

  • in das Groß­hirn (zustän­dig für ana­ly­ti­sche Pro­zes­se und das Den­ken),
  • in das emo­tio­na­le Gehirn (Lim­bi­sches Sys­tem, es ist eine Ansamm­lung von unter­schied­li­chen Gehirn­struk­tu­ren. Ich nen­ne es den Spei­cher­ort für Gefüh­le, Emo­tio­nen, Erin­ne­run­gen, Prä­gun­gen.) und
  • in das Rep­ti­li­en­ge­hirn (die­ses Gehirn ist für alle lebens­not­wen­di­gen Funk­tio­nen bei­spiels­wei­se Ver­dau­ung, Atmen etc. zustän­dig. Das Rep­ti­li­en­ge­hirn ist für unser phy­si­sches Über­le­ben ver­ant­wort­lich).

Schlagfertigkeit und Glaubenssätze

Wie schlag­fer­tig wir sind, hängt davon ab, was in unse­rem emo­tio­na­len Gehirn abge­spei­chert ist. Wel­che Gefüh­le kom­men in bestimm­ten Situa­tio­nen in uns hoch? Unse­re Gefühls­welt wird stark von unse­ren Glau­bens­sät­zen gesteu­ert. In uns allen schlum­mern irgend­wel­che Glau­bens­sät­ze. Das sind Sät­ze, die wir als Kind auf­ge­grif­fen haben und Glau­ben geschenkt haben. Denn als Kind, saugt man alles unge­fil­tert auf. Je öfter bestimm­te Glau­bens­sät­ze wie­der­holt wur­den, des­to stär­ker haben sich die­se in uns ver­fes­tigt. Haben wir den Satz „Eigen­lob stinkt“ oft gehört, so kann es unbe­wusst unse­re fes­te Über­zeu­gung sein, dass Frau über ihre Leis­tun­gen nicht spre­chen soll­te, denn andern­falls wirkt sie damit über­heb­lich. Ganz nach dem Mot­to: Das gehört sich nicht für eine Frau.

Schlagfertigkeit und edukative Gedanken

Kön­nen Frau­en, die regel­mä­ßig in Stress­si­tua­tio­nen inner­lich erstar­ren Schlag­fer­tig­keit ler­nen?

Ja!

Sämt­li­che Gedan­ken haben einen erzie­he­ri­schen Cha­rak­ter. Des­halb wir­ken unse­re Gedan­ken edu­ka­tiv (erzie­he­risch). Unse­re Glau­bens­sät­ze, sind oft Über­zeu­gun­gen von unse­ren Eltern und unse­rem unmit­tel­ba­ren Umfeld. Das sind also Gedan­ken, die uns geformt haben und uns wei­ter­hin unbe­wusst erzie­hen. Das wun­der­ba­re an Gedan­ken ist jedoch die Tat­sa­che, dass uns im erwach­se­nen Alter nie­mand mehr irgend­wel­che Mei­nun­gen und Über­zeu­gun­gen auf­zwin­gen kann, wenn wir es nicht wol­len!

Schlagfertigkeit und positive Denkweise

Schlag­fer­tig­keit hat also in ers­ter Linie mit einem posi­ti­ven Selbst­bild zu tun. Die posi­ti­ve Denk­wei­se ermög­licht mei­nem Gehirn in kri­ti­schen Situa­tio­nen ent­spannt zu blei­ben. Wenn frem­de Kri­tik, in wel­cher Form auch immer, an uns zunächst abprallt, dann ent­steht in unse­rem Gehirn kei­ne Denk­blo­cka­de. Wir kön­nen schnel­ler reagie­ren und vor allem sou­ve­rä­ner und intel­li­gen­ter argu­men­tie­ren. Wir sind uns der Situa­ti­on und unse­rer Per­son bewusst.

Wir alle sind geprägt durch bestimm­te Glau­bens­sät­ze. In mei­nem vor­he­ri­gen Blog­bei­trag Selbst­be­wusst­sein stei­gern, bes­se­ren Job bekom­men, mehr Geld ver­die­nen bin ich bereits auf die Bedeu­tung unse­rer Erzie­hung und Prä­gung ein­ge­gan­gen.

Schlagfertigkeit: Leitsätze statt Glaubenssätze

Was tun, um frem­de Glau­bens­sät­ze in eige­ne Leit­sät­ze umzu­wan­deln? Leit­sät­ze sind neue, posi­ti­ve und wohl­wol­len­de Gedan­ken, die mein Selbst­bild und damit mei­ne ver­ba­le Reak­ti­ons­fä­hig­keit steu­ern. Wie kann ich mich zu einer schlag­fer­ti­gen Per­son umer­zie­hen? Hier eini­ge Tipps:

  1. Statt bei­spiels­wei­se „Eigen­lob stinkt“ min­des­tens ein­mal am Tag vol­ler Über­zeu­gung auf­sa­gen „Eigen­lob stimmt“.
  2. Eine Hit­lis­te erstel­len, in der min­des­tens 3 nega­ti­ve Glau­bens­sät­ze auf­ge­führt sind, die dei­ne eige­ne Wert­schät­zung run­ter­spie­len.
  3. Einen die­ser Glau­bens­sät­ze, der beson­ders hart­nä­ckig ist und an dir nagt, ein­krei­sen. Die­sen jeden Tag freund­lich und humor­voll begrü­ßen.
  4. Exakt aus die­sem nega­ti­ven Glau­bens­satz, ähn­lich wie bei „Eigen­lob stimmt“, einen posi­ti­ven Leit­satz for­mu­lie­ren.
  5. Lite­ra­tur zum The­ma Schlag­fer­tig­keit lesen, YouTube-​Tutorials gucken und Semi­na­re für Schlag­fer­tig­keit besu­chen. Mit ande­ren Wor­ten ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN.

Wenn es mit der Schlag­fer­tig­keit nicht auf Anhieb klappt, dann sich den fol­gen­den Leit­satz auf ein Post -It schrei­ben und auf den Spie­gel kle­ben: Ich schaf­fe es!

Einige abschließende Worte

Wir leben in einer Zeit, in der der Zugang zum Wis­sen und per­sön­li­cher Wei­ter­bil­dung so ein­fach ist wie noch nie zuvor. Nut­ze die­se Wis­sens­quel­len! Trau dich an dei­nem Selbst­be­wusst­sein zu arbei­ten! Hab Mut zu zei­gen wer Du bist! Und sei dir einer Tat­sa­che gewiss: Du kannst alles ler­nen! Schlag­fer­tig­keit in Form einer intel­li­gen­ten, sou­ve­rä­nen und selbst­be­wuss­ten Argu­men­ta­ti­on erst recht. Die Welt gehört den Muti­gen und Inter­es­sier­ten. Du hast dir die­sen Blog­bei­trag bis zum Schluss durch­ge­le­sen. Somit bist Du mutig und inter­es­siert .

Bei der nächs­ten Gehalts­ver­hand­lung machst nicht Du Dir Gedan­ken über dei­ne Schlag­fer­tig­keit, son­dern viel­leicht Dein Chef.

Eigenlob stimmt. Du schaffst es!

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