Kommunikation im Betrieb verbessern. Was sind die wichtigsten Worte eines Chefs?

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ So lautet nach Paul Watzlawick die erste Grundregel, die die menschliche Kommunikation erklären soll. Und zugleich auch Widersprüche in der Kommunikation aufzeigen soll. Eine verbesserte Kommunikation im Betrieb ist längst als Stellschraube für den Unternehmenserfolg erkannt worden. Es werden Kommunikationsseminare gebucht und Rhetorikkurse gegeben. Führungskräften werden Grundtypen von Menschen und Besonderheiten der einzelnen Charaktere erklärt. Es werden 360° Feedbackgespräche simuliert und geübt. All das finde ich als Trainerin und Personalentwicklerin enorm wichtig und richtig. Aber nur, weil Wissen theoretisch vorhanden ist, heißt es nicht, dass dieses auch umgesetzt werden kann! Reden ist Silber. Miteinander Sprechen ist Gold wert.

Entwicklung der menschlichen Kommunikation

Vielleicht ist es nicht verkehrt einen Exkurs in die Entwicklung der menschlichen Kommunikation vorzunehmen. Vor knapp zwei Millionen Jahren begannen die Urmenschen (Hominiden) durch Gesten und Laute miteinander zu „sprechen“. Damit gaben Sie ihr Wissen weiter, um ihren Nachfahren besser zu erklären, wie z. B. ein Beil angefertigt werden kann. Diese erste Sprache kannte nur Gesten und Laute. Durch die Weitergabe des Wissens konnten Werkzeuge verbessert und komplexer gebaut werden. Die Urmenschen hatten zum ersten Mal Wissen nicht nur durch eigene Wahrnehmungen, sondern durch Erfahrungen Ihrer Mitmenschen, akustisch ausgetauscht (Laute), gesammelt und angewendet. Das war der Prototyp menschlicher Kommunikation. Für die Jagd war die Kommunikation via Gesten ein gewaltiger Fortschritt. Gemeinsame Gesten und codierte Laute ermöglichten die Jagd im koordinierten Team.

Der Hominide entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende zum Homo. Der Homo, welcher dem heutigen Menschen am meisten ähnelte, verbesserte die Kommunikation durch mehr Laute und Gesten. Eine Schrift, oder eine „zivilisierte“ Sprache gab es noch lange nicht. Sämtliche Kommunikation fand zwischenmenschlich statt. Die Entwicklung der Sprache, als Kommunikationsmittel, wie wir sie heute kennen, hat Ewigkeiten gedauert. Im Laufe der Evolution, hat das menschliche Gehirn, die physische Fähigkeit für eine komplexe Kommunikation ausgebildet.

Treibende Kraft der Kommunikation – Angst und Liebe

Die treibende Kraft für die Entwicklung der menschlichen Kommunikation waren zwei Urinstinkte: Angst und Liebe. Gegen den Säbelzahntiger und im Rudel jagende Raubkatzen sowie spätere Feinde konnten sich Menschen besser schützen durch gegenseitige Warnsignale und gemeinsame Schutzsysteme (Angst). Die Überlebenschancen waren in einer Gemeinschaft deutlich höher. Ihren Nachkommen versuchten bereits Urmenschen bestmöglich auf die Herausforderungen des Lebens aus Fürsorgepflicht (Liebe) vorzubereiten. Aus dieser Entwicklung lässt sich der lateinische Begriff „communicatio“, zu Deutsch Mitteilung ableiten. Daraus wurde das Verb „comminicare“ – teilen, mitteilen, verbinden, teilnehmen lassen, vereinigen, gebildet. Aus den Vorgängern resultiert auch das Adjektiv „communis“ – gemeinsam. Die treibende Kraft der Kommunikation sind demnach Angst und Liebe. Oder auch anders formuliert: Alles was uns verbindet, ist Kommunikation.

Kommunikation im Team

Mit dem Blick auf die Entstehung der Kommunikation halte ich folgendes fest: Menschen verstehen sich unbewusst als Team „WIR“ auch dann, wenn sie sich mit anderen Mitgliedern gar nicht verbunden fühlen (Jedenfalls nicht aus Liebe). Sie gehen jedoch ein Zweckbündnis ein, um gemeinsam Bedrohungen abwehren zu können. In der Team-Kommunikation heißt es etwa: „Wir müssen jetzt gemeinsam ranklotzen, sonst bekommen wir echte Schwierigkeiten.“ Etwaige „Angst- und Notgemeinschaften“ bilden Menschen dann, wenn sie auf unvorhersehbare, für sie „gefährliche“ oder ungünstige Veränderungen reagieren müssen. Beispielsweise steht ein sehr wichtiges Projekt auf der Kippe. Ein Kundenauftrag kann nicht ausgeführt werden, weil … „damit könnte die Firma „pleitegehen“ und WIR sind unsere Festanstellungen los“. Erst wenn diese Angst überwunden ist, die Not gemeinsam gemildert ist, hat das Team eine stärkende Erfahrung gemacht. Für eine gewisse Zeit entstehen ein WIR-Gefühl und ein WIR-Bewusstsein. Für die Kommunikation im Team bedeutet das „…gemeinsam haben WIR etwas besser verstanden, als allein. WIR haben zusammen etwas effektiver gestaltet als allein. Gemeinsam ergeben WIR eher einen Sinn als allein.“ Ohne diese Erfahrung wird ein Team, das WIR-Bewusstsein nicht entwickeln können. Interessanterweise ist das kein neues, bahnbrechendes Wissen, denn wir machen ähnliche Erfahrungen auch im privaten Bereich immer mal wieder. Bloß lassen Menschen im beruflichen Kontext folgendes außer Acht:

Echte Verbundenheit entsteht außerhalb von Angst und Not.

Kernaufgaben der Führung (Kommunikation)

Mit den Kernaufgaben der Führung meine ich nicht die Steigerung des Marktanteils „in der Region Südwest um 15%“. Zu den Kernaufgaben gehören:

  1. Entwicklung
  2. Steuerung
  3. Delegation
  4. Motivation
  5. Vorleben richtiger Verhaltensweisen

Bevor ich auf die fünf Kernaufgaben der Führung eingehe, möchte ich auf die Bedeutung der Kommunikation in der Führung eingehen. Meinen Beitrag habe ich begonnen mit der Entwicklung der Kommunikation, die eine Ewigkeit zurückliegt. Wir können diese als solches gar nicht fassen. Was wir sehr wohl fassen können, ist die Entwicklung einer aktuellen Gesellschaft mit stark differenzierten Gemeinschaften. Diese Gemeinschaften definieren sich in erster Linie durch gegenseitige Abwertungen, Trennungen und Ausgrenzungen. Dieses wird auch in der Kommunikation sehr deutlich z. B.: “booo, krasse Scheiße, Alter. Ist das nicht ´ne geile Alte? Ach, laber mich nicht voll, du Asi. Kein Bock auf Garnichts.” Haben Sie solche “Unterhaltungen” schon mal in der Bahn, im Raucherbereich eines Betriebs mitbekommen?

Kinder und Jugendliche, die ohnehin von einem Elternhaus geprägt werden, welches nicht besonders liebevoll, tolerant, fördernd und über den Tellerrand ihrer engen Gemeinschaft hinwegschaut, erleben Abwertung und Ausgrenzung zusätzlich über Medien (Kommunikationskanal). Sie übernehmen eine recht abwertende Kommunikation und Sichtweise in Ihren Alltag. Einige Beispiele: Nehmen wir mal die Show „Deutschland sucht den Superstar“. In der Jury sitzt ein Dauer-Mitglied, dessen Namen ich bewusst nicht nennen möchte. Er kommentiert fast jeden Auftritt besonders abwertend und respektlos. Dieses Mitglied hat einen Ghostwriter für Erniedrigungen. Unsere Gesellschaft findet es offensichtlich amüsant, sonst würde ein solches Format nicht immer wieder auf den Bildschirmen auftauchen. Oder nehmen wir eine weitere „unterhaltsame“ Sendung – Der Bachelor. Junge Frauen lassen sich vor laufender Kamera, von einem „Mann“ aussuchen und ausprobieren wie „ein Eis am Stiel“. Diese Mädels “verkaufen sich” für´n Appel und ´n Ei, erhoffen sich dadurch eine Popularität und damit “Erfolg” und ich weiß nicht was noch? Dieses Format sehen sich bevorzugt junge Frauen an. Erschreckenderweise, habe ich schon oft mitbekommen, dass sich viele Mädels dieses Format auch noch gemeinsam mit Ihren Müttern ansehen. Welche “Wertvorstellungen” werden hier vermittelt? Und wie ist die kommunikative Haltung dieser Menschen im Alltag?

Solange wir diesen Einfluss auf unsere tägliche Kommunikation, daraus resultierende Auswirkungen auf Verbundenheit und Zugehörigkeit nicht erkennen und die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung als Privatperson und Führende Persönlichkeiten nicht wahrnehmen, werden wir die Komplexität der Kommunikation zwischen Sender und Empfänger nicht verstehen. Kommunikation hat etwas mit Respekt zu tun. Respekt ist nichts Anderes als Anerkennung und Wertschätzung. Das Führen von Menschen ist pure Verantwortung und in erster Linie Respekt. Und nun sehen wir uns die Kernaufgaben einer Führungsperson an.

Entwicklung

Entwicklung der eigenen Mitarbeiter steht immer im Zentrum der Führungsverantwortung. Entwicklung bedeutet neue Aufgaben an Mitarbeiter zu verteilen und damit ihre Potentiale zu erforschen und zu nutzen. Die Stärken Ihrer Mitarbeiter erkennen sie oft im Prozess. Aber, Sie erkennen auch Schwächen ihrer Mitarbeiter. (Ein von mir sehr wertgeschätzter Kollege fragte mich, ob ich in Schwächen nicht eher Lernfelder sehen würde? Ich danke ihm für diese Frage und zugleich einen guten Hinweis.) Schwächen sind Lernfelder. In dem Gespräch unter vier Augen (Feedback) haben Sie eine Gelegenheit diese Lernfelder zu besprechen. Halten Sie gemeinsam mit Ihrem Mitarbeiter fest, wie gut er in bestimmten Lernfeldern weiterkommt. Sind sich beide oft einig, dass ein bestimmtes Lernfeld, gerade nicht stark entwickelt werden kann, dann ist es auch eine Entwicklung. Im Idealfall fragen Sie Ihren Mitarbeiter was für ihn oder sie selbst Entwicklung bedeutet und in welche Richtung sich dieser auch selbst entwickeln will.

Steuerung

Die Steuerung umfasst sowohl die Vorgabe von Zielen als auch das regelmäßige „Monitoring“ (Kontrolle) und das Eingreifen bei drohenden Zielverfehlungen. Zur Steuerung gehören definitiv sowohl Lob als auch Kritikgespräche. Sie loben Ihre Mitarbeiter beim Erreichen von Teilzielen. Sie müssen aber auch den Mut haben Korrektur-, Konflikt- oder „Kampfgespräche“ (dritte Eskalationsstufe) zu führen. Dazu gehören auch Gespräche, in denen Sie als Führungskraft ein Konfliktmoderator sind. Nicht selten entstehen zwischen zwei Menschen im Team Konflikte. Sehr oft können die beiden „Streithähne“ im Team den Konflikt allein nicht lösen. Konflikte die nicht gelöst werden, haben die Eigenschaft sich auf ein ganzes Team auszubreiten.

Delegation

Delegation bedeutet nichts anderes als das Herunterbrechen von Zielen und Aufgaben und Verteilung klar definierter Aufgaben an Mitarbeiter. Warum ist Delegation so wichtig? Und was hat Delegation mit Integration von neuen Mitarbeitern zu tun? Sie delegieren Aufgaben an Ihre Mitarbeiter, weil Sie zum einen nicht alles selbst machen können (dafür besitzen Sie in der Regel nicht die notwendige Expertise), darüber hinaus aber auch keine Zeit haben. Zum anderen sorgen Sie durch die Delegation von Aufgaben für eine Kompetenzerweiterung (Entwicklung) und gleichzeitige Motivation Ihrer Mitarbeiter. Delegation bedeutet Verantwortungsübergabe und übermittelt die Botschaft „Lieber Mitarbeiter, ich glaube an dich und deine Fähigkeiten“.

Menschen sind soziale Wesen, auch in einer Gemeinschaft, die sich durch gegenseitige Abwertung definiert. Das erste was sie sich in einer „Wohlstandswelt“ wünschen, ist die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und Anerkennung. Verantwortung übertragen, heißt Menschen anerkennen.

Motivation

Demotivation ist nicht mit Motivation zu kompensieren! Ich möchte es auch gerne anders formulieren: Sie können den Jagdhund nicht zur Jagd tragen. Mit der Motivation als Kernaufgabe der Führung ist durchaus gemeint „Finden Sie individuelle Motive der Mitarbeiter heraus. Überlegen Sie, welche individuelle Anreize diese Motive verstärken können“. An dieser Stelle ein kleiner Tipp: für stark anschlussmotivierte Mitarbeiter sind beispielsweise freundliche Worte, Komplimente sowie Lob wichtige Motivatoren. Achtung! Aufrichtig gemeinte freundliche Worte sind entscheidend, keine manipulativen „Wortkonstellationen“. Für aufgabenorientierte Mitarbeiter sind entsprechend interessante, neue Aufgaben wichtige Motivatoren.

Vorleben richtiger Verhaltensweisen

Gerade im Bereich der Motivation hat das Vorleben richtiger Verhaltensweisen (Vorbild sein) eine herausragende Bedeutung. Hierzu brauche ich nicht mehr viel zu schreiben. Wir wissen alle, dass wir kein Wasser predigen können, während wir selbst dabei Wein trinken. Und natürlich haben Führungskräfte auch schwierige Situationen im privaten und beruflichen Bereich. Durchleben Enttäuschungen, verlorene Kundenaufträge, nicht eingetretene Beförderungen, Meinungsverschiedenheiten mit der Geschäftsführung oder Partnern, usw. Gleichzeitig erwarten Mitarbeiter von Ihnen Stärke und Optimismus.

Auch hier einige Tipps zur Selbstmotivation:

  • Erlauben Sie sich authentisch zu sein. Wenn Sie einen Tag nicht der absolute Optimist sein können, dann ist es nur menschlich. Achten Sie nur darauf, dass Ihre Mitarbeiter keine „Blitzableiter“ werden.
  • Suchen Sie sich Aufgaben, die Sie persönlich motivieren.
  • Hören Sie auf dem Weg zur Arbeit, laut, Ihre Lieblingsmusik.
  • Arbeiten Sie mit dem Prinzip der zeitlichen Relativierung. „In zwei Jahren lache ich darüber. Und ich werde sagen können, dass es eine gute Lernerfahrung war.“
  • Belohnen Sie sich selbst. Ein Wochenendtrip an die Ostsee. Für die Damen eine Wellnessbelohnung oder Kurztrip nach Lissabon. Verzeihen Sie mir, letzteres ist mein persönlicher Favorit.
  • Sicherlich können Sie nicht alle Kernaufgaben gleichzeitig ausüben. Es wird Situationen geben, wo die Steuerung in den Vordergrund tritt und dabei alles andere zunächst in den Hintergrund rückt. Gerade in der Balance der Kernaufgaben besteht die Kunst und kommunikative Herausforderung der Führung.

Ausstieg

Die wichtigsten Worte können einem Chef oder einem Teamleiter nicht nach einem Kommunikationsseminar mit einem abschließenden Gesprächsleitfaden vermittelt oder „näher gebracht“ werden. Sämtliche Verbesserungen beginnen mit der Prüfung der Inneren Haltung. Das ist die wichtigste Regel, ob für heikle Gespräche oder zwangloses Geplauder. Menschen wollen und müssen verstehen, wie kompliziert Kommunikation ist. Wieviel kann nach einer vermeintlich klar ausgesprochenen Botschaft schieflaufen? Wenn Sie die Regeln der Kommunikation verINNERlicht haben, haben sie eine Chance die Kommunikation im Betrieb und natürlich auch im privaten Leben zu verbessern.

Kommunikation ist alles, was uns verbindet!

 

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